Interview: European SharePoint Conference 2017

Interview: European SharePoint Conference 2017

Die European SharePoint Conference (ESPC) fand dieses Jahr vom 13. – 16. November in Dublin statt. Das Format konzentriert sich auf die Themen Microsoft SharePoint, Office 365 sowie Azure und ist die größte Fachtagung seiner Art im europäischen Raum. Jahr für Jahr finden sich internationale Top-Speaker ein und geben spannende Ausblicke auf aktuelle Entwicklungen, Trends sowie die Microsoft-Welt von morgen.

Michal Karpowicz (Software Engineer bei smartpoint) war für uns dieses Jahr auf der Konferenz mit dabei. Wir haben ihm zehn Fragen rund um das Event, Entwicklungen sowie persönlichen Eindrücken gestellt.

 

Vielleicht eine kurze Frage vorweg, würdest du nächstes Jahr wieder auf die ESPC fahren?

Einfache Frage: Absolut. Die Atmosphäre, der Austausch mit der stetig wachsenden SharePoint-Community, der Kontakt mit den neuesten Trends und Technologien von Microsoft, die daraus entstehende Aufbruchsstimmung… und Kopenhagen, der Austragungsort nächstes Jahr, soll ja auch ganz schön sein!

 

Welche Trends und Technologien haben sich in deinen Augen herauskristallisiert?

Das ist schon an der Änderung des Namens erkennbar: Aus European SharePoint Conference, wie es die letzten Jahre hieß, wurde die European SharePoint, Office 365 & Azure Conference. Microsoft meint es mit dem Paradigmenwechsel ernst und propagiert verstärkt seine Cloud-Technologien…

 

Welchen Paradigmenwechsel meinst du?

Office 365 ermöglicht eine flexiblere, moderne Art der Zusammenarbeit. Bisher wurde meist eine Hierarchie von oben festgelegt und diese auch im Intranet abgebildet. Eine Abteilung oder Arbeitsgruppe bekam einen vorgesehenen Arbeitsbereich, eingerahmt in das starre Konzept und streng eingeschränkt, was die einzusetzenden Werkzeuge eingeht. Durch die sogenannten Office 365 Groups soll ein Intranet weg von einer zentralisierten Struktur, dynamisch und organisch wachsen und sich so nach den Anforderungen der jeweiligen Arbeitsgruppen richten. Damit will Microsoft auch auf die Gefahr einer entstehenden „Shadow IT“, die der konservativere Ansatz birgt, reagieren.

 

Was bedeutet diese „Shadow IT“?

„Shadow IT“ bezeichnet die in einem Unternehmen eingesetzte Technik, von der die hauseigene IT aber nichts weiß – was natürlich sowohl organisatorisch als auch sicherheits-technisch ein Horrorszenario darstellt. Tatsächlich ist das Problem weit vertreten: Ist das Freigeben von Dokumenten aus meinem Intranet nicht simpel genug? Ich stelle die eventuell vertrauliche Datei über meine private Dropbox bereit! Keine geeignete Plattform zum schnellen Chat innerhalb meines Projekt-Teams? Lasst uns doch einen Slack Workspace erstellen! Diese Probleme will Microsoft mit Office 365 kontern. Eine Office 365 Gruppe kann unkompliziert angelegt werden, und stattet eine Arbeitsgruppe automatisch mit einer Vielzahl an Werkzeugen aus: gemeinsames Exchange-Konto, SharePoint-Seite, OneDrive… und Teams, Microsofts Antwort auf Slack. Durch diesen Ansatz bekommen die User mehr Rechte und Freiheiten, sämtliche Daten und Kollaborationswerkzeuge bleiben aber dennoch im kontrollierbaren Umfeld eines Unternehmens.

 

SharePoint Online erscheint nicht wie bisher gewohnt in 3-Jahres-Intervallen in einer neuen Version, sondern erhält laufend neue Funktionen. Für diese Aktualisierungen ist kein Eingriff seitens der Unternehmen mehr nötig. Was bedeutet das für die Unternehmen?

Nicht nur SharePoint Online wird laufend erweitert, auch die Funktionalität rundum wird immer reichhaltiger, wie beispielsweise durch Microsoft Teams oder neue OneDrive-Features. Durch rein client-seitige Entwicklung und klar definierte Schnittstellen wird die Integrität von SharePoint Online stets gewährleistet, was Microsoft eine ständige Erweiterung ermöglicht. Weiters kann Microsoft auf seine Cloud-Features zugreifen, was von einer lokalen Umgebung aus nicht möglich wäre.

Was dies für Unternehmen bedeutet? Abgesehen von dem stets wachsenden Werkzeugkasten, sind wie von dir gesagt keine Eingriffe wie groß angelegte Migrationen nötig. Natürlich erfordert der Einsatz von SharePoint Online eine gewisse Abenteuerlust – dafür ist man stets am Puls der Zeit und kann seinen Mitarbeitern eine moderne Arbeitsweise ermöglichen. Aufgrund des Fokus auf der Cloud ist es auch nie klar, wann und ob überhaupt Microsoft neue Features in lokale SharePoint-Versionen ausliefert.

 

Viele Unternehmen überlegen mittlerweile den Umstieg auf Office365, die Plattform wird aber oft nur als Ablöse für den klassischen SharePoint gesehen. Die von dir erwähnten Dienste eröffnen neben SharePoint Online aber eine Vielzahl an möglichen Szenarien für moderne Unternehmenslösungen. Zusätzlich gibt es jeden Dienst bereits auch als App für unterwegs. Eine reine Datenmigration in die Cloud kann also keine Empfehlung per se sein oder?

Eine reine Datenmigration ist natürlich möglich, und es würde auch alles wie gehabt funktionieren – man würde aber die Anforderung und Möglichkeiten der modernen Nutzung verschlafen, die Office 365 bietet. Ich glaube aber, dass es keinen „einen“ richtigen Weg gibt, wie eine Migration ausschauen soll. Vielmehr ist es wichtig die Struktur und insbesondere Kultur des Unternehmens und der einzelnen Abteilungen zu analysieren. In solchen Planungs-Workshops muss man sich dann ansehen, welche Werkzeuge aus dem Office 365-Portfolio die Arbeits- und Kommunikationsweise aufwerten können. Und man muss ja nicht gleich „All-In“ gehen: Das Konzept, das Microsoft in der Cloud verfolgt basiert auf einem möglichst erweiterbaren, wachsenden System.

Auch wenn der Prozess im Vergleich zu einer reinen Datenmigration zeitintensiv ist, führt ein intelligenter Einsatz der neuen Technologien zu einem Intranet, dass von den Mitarbeitern gerne und somit effizient genutzt wird – was schlussendlich Profit für das Unternehmen bedeutet.

 

Microsoft öffnet sich unter Nadella seit Jahren immer mehr hin zu offenen Standards oder auch Plattformen der Konkurrenz. So gibt es beispielsweise die Office-Programme seit geraumer Zeit für alle Devices, auch Android und iOS. Gibt es hier weitere Beispiele aus Dublin?

Also abseits von der Unterstützung mobiler Geräte – dies war schon bei der Konferenz 2016 in Wien ein großes Thema – macht Microsoft hier aus der für mich besonders interessanten Entwickler-Perspektive spannende Fortschritte. Einerseits bemüht sich Microsoft um die Schaffung von standardisierten Schnittstellen, andererseits werden offene und empfohlene Standards angewendet und eingehalten. Ein gutes Beispiel ist die Microsoft Graph API, die einen einheitlichen Endpunkt für den Zugriff und die Modifikation sämtlicher Daten die sich in der Microsoft Cloud befinden bietet. So können beispielsweise Daten aus Excel-Dokumenten abgerufen, automatisiert geeignete Termine für Meetings gefunden oder auch ganze Office 365-Groups angelegt werden – dies alles berechtigungsgesteuert durch eine simple Authentifizierung. Aufgrund der Standardisierung kann die Graph API von einer Vielzahl an Programmiersprachen eingebunden werden. Apropos: Auch Microsofts Cloud Computing Dienst „Azure“ ermöglicht das Entwickeln in einer breiten Vielfalt von Sprachen. Und sogar das frühere Feindbild Linux kann auf virtuellen Maschinen in der Cloud zum Einsatz kommen!

 

Was war für dich persönlich das spannendste auf der Konferenz?

Nachdem ich in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn auch schon im Bereich des maschinellen Lernens und Data Minings tätig war, war das aufkommende Thema der künstlichen Intelligenz (AI) im Kontext von SharePoint besonders spannend für mich. Im Rahmen der Azure Cognitive Services bietet Microsoft Möglichkeiten zur inhaltlichen Analyse von Dokumenten, wodurch eine automatisierte Beschlagwortung und somit leichteres Auffinden von relevanten Inhalten ermöglicht werden. Eine Vorschau der automatischen Generierung von Metadaten bei Bildern soll demnächst schon auf SharePoint Online ausgerollt werden – ein weiterer Grund sich einen Wechsel in die Cloud zu überlegen.

Auch in Sachen Benutzererfahrung könnten Anwendungen der künstlichen Intelligenz eine Rolle spielen. In Zeiten in denen Spotify und Amazon mir aufgrund meines Benutzungsverhaltens akkurate Empfehlungen machen, wirkt es kaum mehr zeitgemäß, wenn wenige Administratoren entscheiden, welche Menü-Strukturen oder News-Beiträge für mich relevant sind.

 

Die Konferenz dient klassischerweise auch zum Networken mit Kunden oder auch Partnern. Waren bekannte Gesichter vor-Ort?

Natürlich kam auch das Networking nicht zu kurz. Sowohl in der Ausstellungshalle bei den Booths von ambitionierten Unternehmen wie Metalogix und Intlock, als auch beim entspannten Bierchen mit unseren Partnern von dox42 bei der Konferenz-After-Party in der Guinness Brauerei. Besonders witzig empfand ich das Aufeinandertreffen mit einer Vertreterin von Rencore aus München – zufällig über 3 Stunden entfernt von Dublin bei meinem Ausflug zu den Cliffs of Moher an der Westküste von Irland.

 

Vielen Dank für deine Eindrücke Michal! Abschließend vielleicht noch kurz eine andere Frage. Du unterstützt seit Jahren die so genannte Movember-Aktion durch deinen Schnurrbart. Kannst du uns hier noch deine Beweggründe mit auf den Weg geben?

Im direkten Anschluss an Oktober – dem seit Jahren etablierten Brustkrebs-Bewusstseins-Monat – wird der November genutzt um mittels Moustache auf Männerkrankheiten aufmerksam zu machen. Anfangs standen Prostata- und Hodenkrebs im Mittelpunkt, mittlerweile rückten auch Depression und Suizidalität, beide oft stigmatisiert und dadurch unterdiagnostiziert, in den Fokus. Übrigens waren auch auf der ESPC „Mobros“ vertreten: Die Jungs von „Nuts Over The Atlantic“ sammeln mit ihrem wahnsinnigen Unterfangen den Atlantik zu durchrudern Spenden für die Movember Initiative.

ESPC17 Chosen Charity: Nuts Over the Atlantic

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