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Alte Bekannte treffen auf neue Features: Power Platform Release Wave 2 2025 im Überblick

30.September 2025 · 6 min Lesedauer

Carina Schatz

Power Platform Consultant

Die Release Wave 2 2025 ist da! Sie bringt diesmal keine Flut an Neuerungen, aber ein paar doch sehr interessante (und teilweise lang ersehnte) Veränderungen, die wir uns angesehen haben.

Power Automate

Debuggen von Conditions

Endlich ist diese Funktion verfügbar! Die Zeiten, in denen man sich mit Notes oder Compose Actions weiterhelfen musste, sind vorbei – zumindest bei der Condition Action. Hier wird nämlich ab Dezember 2025 ein neues Debug-Feature allgemein verfügbar. Bisher zeigte die Action in einem Flow-Run nur den Output “true” oder “false” an. Dies war nicht sehr hilfreich, besonders wenn mehrere Conditions in einer Action verwoben waren. Es gab keine Möglichkeit zu sehen, welche der einzelnen Statements im Fehlerfall fehlerhaft war. Die neue Funktion listet nun alle Conditions einzeln auf und ermöglicht es, den genauen Inhalt einzusehen.

Expressions mit Copilot

Das Prompting mithilfe von Copilot bei Power Automate Expressions war Anfang des Jahres bereits in der öffentlichen Vorschauversion. Getestet wurde die Funktion schon im Blogbeitrag zur Release Wave 1 2025. Ein Prompt, bei welchem Copilot zu dieser Zeit nur Fragezeichen lieferte, konnte immerhin nun ein Ergebnis liefern:

PromptErgebnis
Wenn der Eintrag älter als 3 Monate ist schreibe "deprecated", wenn der Eintrag 2 Monate alt ist schreibe "in progress", wenn der Eintrag weniger als 1 Monat alt ist schreibe "new", ansonsten schreibe "to be done"if(greaterOrEquals(subtractFromTime(utcNow(), 3, 'Month'), triggerBody()?['Created']), 'deprecated', if(greaterOrEquals(subtractFromTime(utcNow(), 2, 'Month'), triggerBody()?['Created']), 'in progress', if(greaterOrEquals(subtractFromTime(utcNow(), 1, 'Month'), triggerBody()?['Created']), 'to be done', 'new')))

Ordentlich ausgereift könnte dieses Feature einen erheblichen Mehrwert bringen. Bis Dezember 2025 müssen wir uns noch gedulden, dann wird es allgemein verfügbar sein.

Überwachung der Automatisierung verbessern mithilfe einer Prozessübersicht

Ab Dezember 2025 erhalten Unternehmen tiefere Einblicke in ihre Automatisierungen (allgemeine Verfügbarkeit). Standard-Metriken wie Durchlaufzeiten, Fehlerraten oder am häufigsten vorkommende Fehler können aus der Übersicht extrahiert werden. Gleichzeitig wird es auch möglich sein, langsame bzw. unzuverlässige Prozesspfade aufzuspüren. Dadurch können gezielte Effizienzverbesserungen am Flow vorgenommen werden.

Durch die Prozess-Mining-Integration bekommt man erweiterte Einblicke mit einem einzigen Klick. Es sind keine manuellen Exporte, Datenvorbereitungen oder Transformationen erforderlich. Über den Umschalter Insights (Preview) wird der Zugriff zur Prozesskarte aktiviert. Damit Prozessabläufe in die Analyse miteinbezogen werden können, müssen sie älter als 48 Stunden sein.

Um dieses Feature nutzen zu können, wird eine Power Automate Premium-Lizenz sowie die Berechtigung auf die dahinterliegenden Daten benötigt. Außerdem wird ein Minimum von 50 MB Prozess-Mining-Kapazität benötigt. Ebenfalls hinzuzufügen ist, dass bei großen Datenmengen die Aufbereitung der Erkenntnisse mehr Zeit in Anspruch nehmen kann.

Power Apps

Einstellung der Offline-Synchronisation

Benutzer:innen von Power Apps-Canvas Apps auf Mobilgeräten können sich über eine neue Einstellung freuen. Ab November 2025 ist möglich auszuwählen, ob Daten nur dann synchronisiert werden, wenn das Gerät mit WLAN verbunden ist oder auch, wenn eine Verbindung zum Mobilfunknetzwerk besteht. Damit kann die Offline-Synchronisation besser kontrolliert werden was bei Szenarien mit großen Datenmengen besonders wichtig sein kann.

Optimierte Navigation bei Model-Driven-Apps

Bereits ab Oktober 2025 soll eine verbesserte Kopfzeile und Navigation verfügbar sein. Teil der Neuerungen sind ein modernisiertes Layout der Kopfzeile, welches sich an aktuelle Designprinzipien orientiert und so mit dem Stil anderer M365-Produkte gerecht wird. Zudem wurde die Struktur der Sitemap überarbeitet, was zu einer verbesserten Lesbarkeit führt. Weiters wurden Überschriften- und Scrollbargrößen reduziert, sodass die sichtbaren Daten den maximal möglichen Platz ausnutzen können.

Mehr dazu und wie auch Sie den frischen Look in Ihre Model-Driven-Apps bringen können erfahren Sie hier.

Updates zum Plan-Designer

Der Plan-Designer wurde bereits in vergangenen Release Waves vorgestellt und ist nun allgemein verfügbar. Bestehende Komponenten können nun direkt in einen Plan integriert werden. Durch diese Wiederverwendung kann sich der Entwicklungsaufwand reduzieren und gleichzeitig für höhere Standardisierung und Qualität sorgen. Es kommt hinzu, dass ein Plan aus einer bestehenden Lösung erstellt werden kann. Die Solution muss dafür mindestens aus einer veröffentlichten App sowie dazugehöriger Tabelle bestehen. Der große Vorteil vom Plan-Designer generell ist, dass die bestehenden Komponenten und der zugrundeliegende Anwendungsfall gut dokumentiert werden. Mit der Erstellung des Plans aus einer Solution wird auch hier eine solide Dokumentationsgrundlage geboten. Aktuell beschränken sich die Komponenten des Plans noch auf das Datenmodell und Apps. Flows bleiben weiterhin Zukunftsmusik.

Während der Lösungserstellung werden durch Agents Apps vorgeschlagen, welche von Benutzer:innen durch eigene, bestehende Apps ersetzt werden können. Damit wird eine höhere Konsistenz durch die Verwendung von schon erstellten Apps geschaffen und Zeit sowie Ressourcen können gespart werden.

Bei der Erstellung des Datenmodells gibt es nun die Möglichkeit neue und bestehende Tabellen im Plan-Designer zu bearbeiten.

Code Apps

Um die Unterstützung von hybriden Entwicklungsmodellen (low-code + pro-code) voranzutreiben, stell Microsoft Code Apps vor. Diese bieten einen neuen Weg für Entwickler:innen, Apps für die Power Platform in einer Code-First IDE zu entwickeln. Zu betonen ist, dass hier die Developer-First-Experience in den Vordergrund rückt. Verwendet werden React, TypeScript und Dataverse SDK, daher zählen diese eher zu den Model-Driven-Apps. Die Code Apps können mittels Visual Studio Code, Power Platform CLI und Github Copilot erbaut werden. Aktiviert werden können Power Apps Code Apps im Power Platform Admin Center. Als Vorteile hebt Microsoft hervor, dass eine tiefere Integration von Copilot Studio und Azure AI gegeben ist, es mehr Dokumentations- und Vorlagenmöglichkeiten mit Code Apps gibt und eben die Unterstützung der hybriden Entwicklungsmodelle. Großer Haken an dieser Sache: Jede/r einzelne Endbenutzer:in, welche/r Code Apps verwenden möchte, benötigt eine Power Apps Premium Lizenz.

GIFS: https://github.com/microsoft/PowerAppsCodeApps/tree/main/samples/FluentSample

Fazit

Im Vergleich zu den bisherigen Veröffentlichungen fällt diese Release Wave inhaltlich schlanker aus. Ein klares Highlight ist jedoch das Anzeigen von Conditions in Flow-Runs, dies wird sich beim Debuggen mit Zuversicht als hilfreich und zeitsparend erweisen. Große Erwartungen richten sich aktuell auf den Plan-Designer. Hier bleibt abzuwarten, ob die nächste Release Wave mehr Infos dazu und zu anderen Themen bringt.

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Beate Bergsmann

Marketing Manager
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