AISoftware Entwicklung

NISG 2026 und KI in der Softwareentwicklung: Geschwindigkeit braucht Navigation und klare Leitplanken

Wie Unternehmen AI Coding Agents, moderne Softwareentwicklung und Altsysteme sicher in Einklang mit den Anforderungen des NISG 2026 bringen.

02.September 2026 · 4 min Lesedauer

Andreas Seitz

COO, Geschäftsführer

Das NISG 2026 bringt neue Anforderungen an Cybersicherheit, Softwareentwicklung und den Einsatz von KI. Unternehmen müssen Entwicklungsprozesse, Altsysteme und AI Coding Agents künftig stärker steuern, dokumentieren und absichern.

Mit dem österreichischen Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 wird die NIS2-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt. Das NISG 2026 tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft und bringt für rund 4.000 Unternehmen und Einrichtungen aus 18 gesellschaftlich relevanten Sektoren verbindliche Anforderungen an Cybersicherheit, Risikomanagement und die Meldung von Sicherheitsvorfällen. 

Die Regelungen erfassen auch die Sicherheit der Lieferkette, wodurch Softwareunternehmen und Dienstleister/Zulieferunternehmen selbst dann betroffen sein können, wenn sie nicht unmittelbar in den gesetzlichen Anwendungsbereich fallen.

Potenziale und Risiken beim Einsatz von KI in der Softwareentwicklung

Künstliche Intelligenz verändert die Softwareentwicklung grundlegend. Coding-Assistenten und KI-Agenten beschleunigen die Umsetzung neuer Funktionen, unterstützen bei der Analyse bestehender Anwendungen und übernehmen zunehmend umfangreichere Entwicklungsaufgaben. Für IT-Abteilungen und Softwareunternehmen wird der professionelle Einsatz dieser Technologien damit zu einem wichtigen Faktor für Produktivität, Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Wer aktuelle Technologietrends rund um KI nicht aufgreift, riskiert, bei Entwicklungsgeschwindigkeit, Kosten und Leistungsfähigkeit gegenüber dem Markt zurückzufallen.

Mehr Geschwindigkeit und Effizienz durch KI

Mit den neuen Möglichkeiten wächst jedoch auch die Verantwortung. KI-generierter Code kann fehlerhafte Implementierungen, ungeeignete/unsichere Bibliotheken, Sicherheitslücken und technische Schulden in bestehende Anwendungen einbringen, insbesondere wenn Ergebnisse ungeprüft übernommen oder Coding Agents ohne verbindliche Regeln eingesetzt werden. 

Aktuelle Studien aus der KI-gestützten Softwareentwicklung weisen auf ein erhöhtes Sicherheitsrisiko bei weitgehend agentengeneriertem Code hin, während Erfahrungen aus der Praxis gleichzeitig einen stark steigenden Umfang KI-generierter und KI-veränderter Codezeilen zeigen.
Unternehmen müssen deshalb technologische Weiterentwicklung und Risikomanagement gemeinsam gestalten. Ein unsachgemäßer oder fahrlässiger Umgang mit KI in der Softwareentwicklung kann neben Sicherheitsvorfällen und Betriebsunterbrechungen auch rechtliche und wirtschaftliche Folgen haben. Mit dem österreichischen Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 wird diese Verantwortung weiter konkretisiert.

Sichere KI-Nutzung braucht verbindliche Entwicklungsprozesse

Für Entwicklungsorganisationen bedeutet das, den Einsatz von KI nachvollziehbar zu steuern. Es muss festgelegt sein, welche KI-Dienste, Modelle, Coding Agents und Erweiterungen verwendet werden dürfen, welche Daten und Quellcodes verarbeitet werden können und unter welchen Voraussetzungen generierte Ergebnisse in eine Anwendung übernommen werden.

Human in the Loop“, automatisierte statische Codeanalysen, die Prüfung verwendeter Bibliotheken und dokumentierte Freigaben innerhalb von Pull Requests schaffen die notwendige Kontrolle. Je größer der Anteil KI-generierten Codes wird, desto wichtiger werden automatisierte Quality Gates, da die steigende Code-Menge mit rein manuellen Prüfungen kaum dauerhaft beherrschbar ist.

Sicherheit beginnt bei den Anforderungen

Secure by Design verankert Sicherheitsanforderungen bereits in der fachlichen und technischen Konzeption. Schutzbedarf, Berechtigungen, Schnittstellen, Datenflüsse, Protokollierung und mögliche Bedrohungen müssen geklärt werden, bevor die Implementierung beginnt, damit Sicherheit zu einem festen Bestandteil der Architektur und nicht zu einer nachträglichen Korrektur wird.

Während der Entwicklung sorgen verbindliche Coding-Standards, Code-Reviews und automatisierte Sicherheitsprüfungen für gleichbleibende Qualität. Versionierte Build- und Deployment-Pipelines machen Änderungen nachvollziehbar, getrennte Entwicklungs-, Test- und Produktionsumgebungen reduzieren Risiken und dokumentierte Konfigurationen ermöglichen eine reproduzierbare Bereitstellung.

Sicherheitstests sollten sich am Risiko der jeweiligen Anwendung orientieren und über den gesamten Entwicklungslebenszyklus stattfinden. Statische Codeanalysen, dynamische Anwendungstests, Schwachstellen-Scans und Penetrationstests liefern unterschiedliche Perspektiven, während ein verbindlicher Prozess dafür sorgt, dass Befunde bewertet, Verantwortlichen zugeordnet und kritische Schwachstellen zeitnah behoben werden.
 

Auch Altsysteme gehören in die NIS2-Roadmap

In vielen Unternehmen unterstützen ältere Anwendungen weiterhin geschäftskritische Prozesse, obwohl Technologien veraltet sind, reguläre Updates fehlen oder das erforderliche Wissen nur noch bei wenigen Personen vorhanden ist. Für diese Systeme braucht es eine nachvollziehbare Risikobewertung, dokumentierte Schutzmaßnahmen und einen realistischen Modernisierungs- oder Ablöseplan.

Netzwerksegmentierung, eingeschränkte Zugriffe, kontinuierliche Überwachung und regelmäßige Schwachstellen-Scans können Risiken während der Übergangsphase reduzieren. Gleichzeitig muss klar festgelegt werden, wie lange das System weiterbetrieben wird, wer das verbleibende Risiko verantwortet und welche konkreten Schritte zur Modernisierung vorgesehen sind.

Jetzt Entwicklungsprozesse und KI-Toolchains überprüfen

Bis zum Inkrafttreten des NISG 2026 am 1. Oktober 2026 bleibt nur noch ein begrenztes Zeitfenster, um Anwendungen, Entwicklungsprozesse, KI-Toolchains, Softwareabhängigkeiten und Altsysteme strukturiert zu bewerten. Die daraus entstehende Roadmap sollte Sicherheitsanforderungen direkt in Requirements, Backlogs, Entwicklungsrichtlinien, Pull Requests, Quality Gates und DevOps-Pipelines integrieren.

NISG 2026: So unterstützt smartpoint

smartpoint unterstützt Unternehmen bei der Analyse ihrer Softwarelandschaft, der Bewertung bestehender Entwicklungsprozesse und Altsysteme sowie bei der Erstellung einer umsetzbaren Modernisierungsstrategie. Unsere Leistungen reichen von Requirements Engineering und sicherer Softwarearchitektur über individuelle Softwareentwicklung und Anwendungsmodernisierung bis zum Aufbau versionierter Build- und Deployment-Prozesse. 

Darüber hinaus begleiten wir die sichere Integration von KI-Diensten, die Entwicklung verbindlicher Governance-Regeln und die technische Weiterentwicklung bestehender Anwendungen. Über die Bechtle Gruppe können ergänzend Cybersecurity-Beratung, Azure Landing Zones, Cyber Defense und Penetrationstests eingebunden werden.

Nutzen Sie die Chancen von KI, um Innovation und Produktivität gezielt voranzutreiben, und schaffen Sie gleichzeitig die organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen, mit denen Sicherheit, Qualität und regulatorische Anforderungen dauerhaft beherrschbar bleiben.

Über Andreas Seitz:
Andreas Seitz ist COO und Geschäftsführer der smartpoint IT consulting GmbH. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Herausforderungen moderner Softwareentwicklung, Anwendungsmodernisierung und digitaler Transformation. Als Technologieexperte begleitet er Unternehmen dabei, innovative Lösungen auf Basis moderner Plattformen, Cloud-Technologien und Künstlicher Intelligenz sicher und nachhaltig umzusetzen.

Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch und entwickeln wir gemeinsam eine umsetzbare Roadmap für sichere, KI-gestützte und zukunftsfähige Softwareentwicklung.
 

Jetzt kontaktieren

Fragen oder Feedback?

Haben Sie Fragen zu unseren Themen oder möchten uns Feedback zum Blog geben? Dann freue ich mich auf Ihre Nachricht.

Beate Bergsmann

Marketing Manager
E-Mail schreiben