Doch Barrierefreiheit bzw. Accessibility ist weit mehr als eine gesetzliche Vorgabe. Im digitalen Raum bedeutet sie, dass digitale Inhalte von allen Menschen problemlos genutzt werden können – unabhängig von körperlichen oder technischen Einschränkungen. Damit ist Barrierefreiheit ein wesentlicher Aspekt der Inklusion und Chancengleichheit in einer modernen, digitalen Gesellschaft.
Accessibility ist kein optionaler Zusatz, sondern ein klares Qualitätsmerkmal für eine gute Nutzererfahrung (UX). Barrierefreie Websites und Tools sind in der Regel einfacher zu bedienen, verständlicher aufgebaut, übersichtlicher gestaltet und somit benutzerfreundlicher für alle.

Wer Richtlinien und Best Practices zur Barrierefreiheit von Beginn an in Design und Entwicklung integriert, schafft nachhaltige und hochwertige digitale Lösungen. Dadurch wird nicht nur die Qualität der visuellen Gestaltung verbessert, sondern auch die des Codes.
Um eine einheitliche und technisch fundierte Grundlage für Entwickler:innen, Designer:innen und Unternehmen zu schaffen, wurden die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) entwickelt. Sie umfassen über 300 Anforderungen und basieren auf vier zentralen „POUR-Prinzipien“:
- Perceivable (Wahrnehmbar): Inhalte müssen für mindestens zwei Sinne zugänglich sein – etwa durch Alternativtexte für Bilder, Untertitel für Videos oder anpassbare Schriftgrößen.
- Operable (Bedienbar): Alle Funktionen müssen auch ohne Maus nutzbar sein, zum Beispiel per Tastatur oder Spracheingabe.
- Understandable (Verständlich): Informationen und Bedienabläufe sollen klar, einfach und vorhersehbar gestaltet sein.
- Robust (Robust): Inhalte müssen mit unterschiedlichen Geräten, Browsern und Assistenztechnologien zuverlässig funktionieren – heute und in Zukunft.
Auch wenn die WCAG sehr umfassend sind, lässt sich mit der konsequenten Umsetzung einiger grundlegender Maßnahmen bereits rund 80 % der häufigsten Barrierefreiheitsprobleme vermeiden. Im Folgenden erfahren Sie, welche Top-10-Maßnahmen Sie in Ihren Projekten unbedingt berücksichtigen sollten.
Top 10 Maßnahmen der Barrierefreiheit
1. Keine sich automatisch bewegenden Inhalte (kein Auto-Play)
Inhalte wie Videos, Animationen oder Slideshow-Effekte sollten sich nicht automatisch bewegen oder abspielen. Bewegte Inhalte können Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Epilepsie belasten. Nutzer:innen sollten selbst entscheiden können, ob sie etwas starten oder stoppen möchten.
2. Kontrastreiche Farben für Text und interaktive Elemente verwenden
Der Text und Schaltflächen sollten sich deutlich vom Hintergrund abheben. Guter Farbkontrast hilft Menschen mit Sehschwäche oder Farbsehstörungen, Inhalte besser zu erkennen. Es gibt zahlreiche kostenlose Tools, mit denen wir das Kontrastverhältnis zwischen Text und Hintergrundfarbe messen können.
3. An Nutzereinstellungen anpassen (z. B. Browser-Einstellungen)
Websites sollten Einstellungen wie vergrößerte Schrift, dunkler Modus oder systemweite Kontrasteinstellungen respektieren. Das ermöglicht eine individuelle Nutzung entsprechend den Bedürfnissen. Eine einfache Methode zur Überprüfung von Webdesigns ist das Testen mit 200% Browser-Zoom.
4. Tastaturbedienung ermöglichen
Alle Funktionen der Webseite sollten auch mit der Tastatur bedienbar sein – ohne Maus. Alle Inhalte und Funktionen sollten mit der Tastatur erreichbar sein und das in einer logischen Reihenfolge. Es können Skip-Links gesetzt werden, die das Überspringen eines Bereichs ermöglichen. Das ist besonders wichtig für Menschen mit motorischen Einschränkungen oder Sehbehinderungen.
Die Reihenfolge der Tastaturbedienung (Focus-Order) unterscheidet sich von der Lesereihenfolge (Reading-Order) für Screenreader.
5. Sichtbare Fokus-Anzeige
Bei der Navigation mit der Tastatur sollte immer erkennbar sein, welches Element ausgewählt ist, damit Nutzer:innen ihre Position auf der Seite kennen.
6. Sprache der Seite im Code angeben
Im Code sollte die Sprache der Seite (z. B. Deutsch oder Englisch) angegeben werden. Screenreader können so die richtige Aussprache und Betonung wählen.
7. Information & Beziehungen im Code
Was visuell als Überschrift, Liste oder Beschriftung erscheint, muss auch im HTML-Code korrekt strukturiert sein. Nur so können Screenreader die Inhalte richtig vorlesen und interpretieren.
8. Name, Rolle und Value von Bedienelementen im Code angeben
Jedes Steuerelement (z. B. Button, Checkbox) braucht einen Namen, eine Rolle und einen erkennbaren Zustand im Code. (ARIA attributes für Screen Reader)
9. Textalternativen für Bilder mit Informationsgehalt bereitstellen
Wenn ein Bild wichtige Informationen zeigt, muss eine beschreibende Textalternative (Alt-Text) vorhanden sein. Alt-Texte müssen beschreibend, kurz und präzise sein und im Kontext Sinn ergeben.
10. Klare Fehlermeldungen und Hinweise zur Behebung geben
Wenn Nutzer:innen z. B. ein Formular falsch ausfüllen, sollte eine verständliche Fehlermeldung erscheinen. Außerdem sollte erklärt werden, wie man den Fehler korrigieren kann.
Fazit
Barrierefreiheit ist kein zusätzlicher Aufwand, sondern eine Investition in Qualität, Nutzerfreundlichkeit und Inklusion. Unternehmen, die Accessibility von Anfang an mitdenkt, verbessern nicht nur die User Experience, sondern erreichen auch eine größere Zielgruppe und stärken gleichzeitig die digitale Teilhabe nachhaltig.
Dabei gilt: Barrierefreiheit muss nicht komplex sein. Schon kleine, bewusste Anpassungen im Design und in der Entwicklung können einen großen Unterschied machen. Mit den hier vorgestellten 10 Maßnahmen schaffen Unternehmen digitale Erlebnisse, die wirklich für alle zugänglich und verständlich sind.
Bei smartpoint legen wir großen Wert auf eine ganzheitliche User Experience – und da gehört Barrierefreiheit ganz selbstverständlich dazu. Wir unterstützen Unternehmen dabei, Barrierefreiheits-Anforderungen als Chance zu nutzen: für bessere, inklusivere und zukunftssichere digitale Produkte.
Weiterführende Quellen
- Mari-Ell Mets, Websites and apps for everybody - making accessibility easy. Word Usability Congress 2024, Graz.
- Designing for Web Accessibility
- Accessibility Fundamentals Overview
- Microsoft Inclusive Design




